Pflegekooperation?
Die AWO Seniorendienste Niederrhein und die „Mission Rumänien"

Pflegenotstand hier, Fachkräfteüberhang dort: Die AWO Seniorendienste Niederrhein wollen Angebot und Nachfrage zusammenbringen – und reisten dafür in die Wallachei.

Hans-Gerd Spelleken, (Spelleken Associates) Christina Malecki (AWO Seniorendienste Niederrhein), Sabrina Moskei (AWO Seniorendienste Niederrhein), Staatssekretär Ionel Florian Lixandru, Manja Sunkel (AWO Seniorendienste Niederrhein), Manfred Seiler (AWO Saarland), Torsten Schmittberger (AWO Saarland) (v.l.n.r.)
Hans-Gerd Spelleken, (Spelleken Associates) Christina Malecki (AWO Seniorendienste Niederrhein), Sabrina Moskei (AWO Seniorendienste Niederrhein), Staatssekretär Ionel Florian Lixandru, Manja Sunkel (AWO Seniorendienste Niederrhein), Manfred Seiler (AWO Saarland), Torsten Schmittberger (AWO Saarland) (v.l.n.r.)

In der deutschen Pflege herrscht akuter Fachkräftemangel. In Rumänien werden jedes Jahr 17.500 Pflegefachkräfte ausgebildet. Gerade einmal 2.000 von ihnen finden danach eine Anstellung. Da müssen sich Angebot und Nachfrage doch irgendwie zusammenbringen lassen – dachten sich die Verantwortlichen der AWO Seniorendienste Niederrhein und der AWO Saarland. „Auch die Pflegeeinrichtungen der AWO sind flächendeckend vom Fachkräftemangel betroffen,“ so Normen Dorloff, Geschäftsführer der AWO Seniorendienste Niederrhein. „Wir haben uns intensiv mit der Thematik beschäftigt und erkannt, dass wir aktiv werden müssen.“ Man nahm einen Dienstleister für Personalrekrutierung mit ins Boot und verständigte sich auf die Durchführung eines gemeinsamen Projekts, um angehende rumänische Pflegefachkräfte nach Deutschland zu holen.  

Dafür machte sich jetzt eine Delegation auf den Weg nach Ploiești in der walachischen Tiefebene. „Wir wollten die AWO und ihr Angebot vorstellen und uns gleichzeitig vor Ort ein Bild von Menschen, Mentalität, Schulsystem und Arbeitsmarktsituation machen,“ erklärt Sabrina Moskei, Leiterin der Fachabteilung Pflege, den Zweck der Reise. Von den Seniorendiensten ebenfalls mit dabei waren Manja Sunkel, Einrichtungsleitung des Karl-Schröder-Hauses, und Christina Malecki. Die Verwaltungsmitarbeiterin des AWO Seniorenzentrums Duisburg-Innenhafen ist Rumänin und begleitete die Gruppe als Dolmetscherin.

Zwei Tage waren vor Ort eingeplant. Auf dem Programm standen ein Gespräch mit dem Nationalen Gewerkschaftskartell ALFA, ein Treffen mit dem Staatsminister für Bildung und der gemeinsame Besuch zweier großer Pflegeschulen.

Die Pflegeausbildung in Rumänien dauert drei bis vier Jahre und bietet zwei Ausbildungsvarianten. Beim Blick in die Curricula zeigte sich, dass der rumänische Pflegenachwuchs eine sehr viel intensivere theoretische Ausbildung genießt, als der deutsche. Inhaltlich deckt die Theorie Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege ab und entspricht damit der generalistischen Pflegeausbildung, die ab dem kommenden Jahr auch bei uns eingeführt wird.

Die praktische Pflegeausbildung in Rumänien hat in etwa den gleichen Umfang wie die in Deutschland. Bei der Durchführung gibt es aber große Abweichungen. Anders als bei uns gehen alle Azubis einer Klasse gemeinsam mit ihrer Ausbilderin in den praktischen Einsatz. Dort werden sie bestimmten Patienten zugeteilt. Weil es in Rumänien keine flächendeckende Versorgung in der stationären und ambulanten Altenhilfe gibt, ist die Ausbildung zudem sehr krankenpflegelastig. Es fehlt dem Nachwuchs deshalb oft an praktischer Erfahrung im Bereich Altenpflege.

Die Auszubildenden zeigten sich sehr interessiert an möglichen Perspektiven, in Deutschland zu leben und zu arbeiten. Sie möchten ihren Beruf ausüben und sind bereit, das auch jenseits ihrer Heimat zu tun – mit Leidenschaft und Herz. Eine große Hürde ist für viele aber die Sprache: Deutsch zu lernen fällt rumänischen Muttersprachler*innen in der Regel schwer. Viele Fachkräfte gehen deshalb in Länder mit romanischem Sprachhintergrund wie Frankreich, Italien und Spanien.  

Das Fazit der Promotion-Tour: Alle Beteiligten könnten sich sehr gut eine Ausbildungskooperation vorstellen, bei der rumänische Azubis in ihrem dritten und vierten Lehrjahr einen Praxiseinsatz in deutschen Einrichtungen absolvieren. Vorbereitende Deutschkurse gibt es zurzeit in rumänischen Krankenpflegeschule schon als freiwilliges Angebot. Wichtig wäre darüber hinaus eine begleitende Integration der Praktikant*innen am Einsatzort und weitere Sprachkurse. Jetzt müssen die Erkenntnisse aus der Reise gemeinsam ausgewertet und in einen konkreten Fahrplan überführt werden.