Kleine Geschichtsstunde:
Rente für alle

Dass es sie gibt, ist für uns selbstverständlich. Wie es dazu kam, weiß bei weitem nicht jeder, der sie bekommt: Die Rente. Vor 130 Jahren führte Bismarck sie ein.

1889 tritt das "Gesetz betreffend die Invaliditäts- und Alterssicherung" in Kraft – und läutet die Geburtsstunde der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland ein. Der Kopf hinter dem Projekt: Reichskanzler Otto von Bismarck. Seine Idee war kühn. Die Umsetzung für seine Zeit ebenfalls: Alle Arbeitenden zwischen 16 und 70 Jahren sollten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Der Beitragssatz von knapp zwei Prozent war zu gleichen Teilen von Arbeitgebern und Arbeitnehmer*innen aufzubringen. 

In den Genuss der Rente kam, wer 70 wurde – und vorher 30 Jahre lang eingezahlt hatte. Das Problem: Zu Bismarcks Zeiten lag die durchschnittliche Lebenserwartung potentieller Rentenempfänger*innen bei nur 60 Jahren. 

Auch wer alt genug wurde, bekam nicht viel. In der Bismarck'schen Sozialpolitik sollte die Rente lediglich eine finanzielle Ergänzung sein, nicht einen hohen Lebensstandard im Alter garantieren. Das wäre mit 18 Prozent des Durchschnittslohns auch schwierig gewesen. 

Hinterbliebenenversorgung gab es übrigens auch nicht: Wenn der Beitragszahler vor dem Rentenalter starb, hatte die Ehefrau immerhin Anspruch auf die Hälfte der eingezahlten Beiträge. Wurde er zwar alt genug, überlebte das aber nicht lange, gingen die Hinterbliebenen leer aus. 

Dafür war das damalige Rentensystem kostengünstig: Die Ausgaben für Renten machten 1895 unter einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.  

1916 verabschiedete der Reichstag die Herabsenkung des Renteneintrittsalter auf 65 Jahre. Das erreichten damals immer noch nur drei von zehn Reichsdeutschen überhaupt. Die Zahl der Rentner*innen  verdoppelte sich trotzdem auf einen Schlag.

In ihrer 130-jährigen Geschichte hat die Rentenversicherung diverse Änderungen erfahren und etliche Reformen mitgemacht. Aber einiges von dem, was Bismarck mit seiner Sozialpolitik einführte, hat immer noch Bestand – auch wenn Versicherte für ihren Rentenbescheid heute nicht mehr beim Postamt Wertmarken für eingezahlte Rentenbeiträge erstehen und auf Quittungskarten kleben müssen.

(Quellen: BMAS und Deutsche Rentenversicherung)