Irma Kaltac

Vom Freiwilligen Sozialen Jahr in die Ausbildung

Vor drei Jahren ist Irma Kaltec aus Slowenien nach Deutschland gekommen. Jetzt kann sie bei den AWO Seniorendiensten Niederrhein ihren Traumberuf lernen. 

„Ich wollte schon immer in die Altenpflege. Als ich hier ankam, musste ich erst einmal Deutsch lernen. Meine Muttersprache ist Bosnisch. Ich habe ein Jahr die Willkommensklasse der Hauptschule in Kamp-Lintfort besucht und danach die reguläre Klasse 9. Der Abschluss danach reichte aber nicht aus, um eine Ausbildung anzufangen. 

Der Freiwilligendienst war eine Möglichkeit für mich, zumindest schon einmal in meinen Wunschberuf zu arbeiten. Ich habe mich beim AWO Bezirksverband Niederrhein für ein FSJ – ein Freiwilliges Soziales Jahr – beworben und bekam einen Platz im AWO Seniorenzentrum Stadt Kamp-Lintfort.

Parallel dazu habe ich mich auf die Externenprüfung für den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 vorbereitet. Das war ziemlich viel, denn ich habe ja Vollzeit im Schichtdienst gearbeitet. Auch Freiwilligendienstleistende haben in der Pflege elf Tage am Stück Dienst und dann drei Tage frei. Man will uns einen möglichst realistischen Eindruck vom Berufsalltag bieten. Der Unterschied zur ‚normalen‘ Pflegekraft ist nur, dass es keine Nachtdienste für uns gibt. 

FSJler*innen werden in unserem Seniorenzentrum immer zuerst zwei Monate in der Tagespflege eingesetzt. Man will uns ‚ankommen‘ lassen. In der Tagesspflege stehen die sozialen Angebote und Aktivitäten für die Gäste im Vordergrund. Die pflegerische Betreuung ist nicht so intensiv. Es geht auch alles etwas ruhiger zu als in den stationären Bereichen, weil es eine kleinere Gruppe ist. 

Im vollstationären Bereich waren wir dann für 48 Bewohner*innen zuständig. Ich hätte am liebsten direkt alles selber gemacht. Das ging natürlich nicht. Aber ich bin immer mitgelaufen, habe zugeschaut und zugehört. Und meine Kolleg*innen haben mir ziemlich schnell ziemlich viel zugetraut. 

An meinen freien Tagen habe ich zu Hause durchgelernt. Ich habe oft gedacht, dass ich die Prüfung nicht schaffe und meinen Abschluss nicht bekomme. Aber meine Kolleg*innen waren überzeugt von mir – so sehr, dass die Einrichtungsleitung mir einen Ausbildungsplatz freigehalten hat. Das war natürlich eine riesige Motivation für mich. 

Auch das tolle Verhältnis zum Team hat mir sehr geholfen. Bezugspersonen sind wichtig für mich. Meine Praxisanleiterin, die Pflegedienstleitung, die Einrichtungsleitung – alle haben hinter mir gestanden und mich unterstützt. Man hat mir während der Dienste Zeit zum Lernen gegeben und wenn ich eine Frage zum Stoff hatte, hat immer jemand versucht zu helfen. Die Schulbücher waren ja alle auf Deutsch und das war nicht leicht für mich.  

Im Juni habe ich meine Prüfung bestanden und am 1. Oktober meine Ausbildung zur Altenpflegerin angefangen. Zurückblickend muss ich sagen, dass der Freiwilligendienst nicht nur eine sehr gute Vorbereitung auf den Beruf war. Auch sonst hat er mich enorm weitergebracht. Als ich angefangen habe, war ich sehr schüchtern und wollte nicht mit anderen reden. Das habe ich gelernt – nicht zuletzt in den Seminaren, die Bestandteil des FSJ sind. Und auch wenn für mich klar war, was ich machen will: Ich kann nur jedem empfehlen, diese Chance zur Orientierung zu nutzen.

Jetzt muss ich erst einmal wieder in die Schule. Die Kolleginnen aus meinem Wohnbereich haben mir zum Start eine Schultüte überreicht. Wir waren alle ein bisschen traurig, denn es war gleichzeitig auch ein vorläufiger Abschied. In meiner ersten Praxisphase nach Weihnachten werde ich in einem anderen Wohnbereich eingesetzt. Aber ich bin sicher, dass ich auch da tolle Menschen kennenlernen werde. Außerdem trennt uns ja nur eine Etage.“ 

Irma Kaltac weiß, was sie will. Du willst es ebenfalls wissen? Sehr gut. Dann bewirb dich jetzt auf freiwillich.de für ein FSJ bei der AWO.